Ernst Raim

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Ernst Raim wurde 1926 im nordböhmischen Reichenberg (Liberec) geboren und ist in Friedland (Frýdlant) aufgewachsen. Er unterstützte bereits in jungen Jahren die Tätigkeit seiner Eltern in der Deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei (DSAP). So schmuggelte er nach 1933 mit seiner Mutter verbotene Druckschriften ins nationalsozialistische Deutschland. Als die Wehrmacht nach dem Münchener Abkommen die Grenzgebiete
besetzte, floh die Familie ins Inland. Teile der Familie, unter ihnen Ernst, kehrte später wieder nach Friedland zurück, wo die Eltern ständigen Repressionen ausgesetzt waren und letztlich verhaftet und verschleppt wurden. Ernst Raim wurde bereits als 15jähriger zur Arbeit zwangsverpflichtet, auch weil er sich weigerte, die Reichsangehörigkeit zu beantragen. So wurde er, der Protektoratsangehörige, weiterhin von den
nationalsozialistischen Organen als Tscheche betrachtet.
1946, als klar wurde, dass es in der Tschechoslowakei auch für die antifaschistischen Deutschen keinen Platz mehr geben würde, kam Ernst Raim nach Bayern, wo er später eine Familie gründete. In München studierte er Volkswirtschaft und Geographie und arbeitete anschließend als Lehrer in Landsberg. Raim wurde SPD-Mitglied, sein Markenzeichen war die Fliege. Sie trug er stets auch an der damaligen Oberrealschule, wo er als Lehrer seinen Schülern im Fach Sozialkunde nachhaltig demokratische und wohl auch sozialdemokratische Werte vermittelte. Raim wurde SPD-Stadtrat (1960 bis 1978), Kreisrat (1984 bis 2002), Kreisvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (1978 bis 2002) und Mitglied des lokalen Historischen Vereins. Raim erlangte große Verdienste im Umgang mit der Bewältigung der Landsberger Vergangenheit vor allem im 20. Jahrhundert, insbesondere der Entwicklung der Gedenkstätte für den Dachauer KZ Außenlagerkomplex Kaufering.
Am 1. Dezember 2015 starb der böhmische Sozialdemokrat Ernst Raim, der sich in der Seliger-Gemeinde engagierte und immer wieder bereit war, aus seinen schweren Jugendjahren zu berichten. So etwa in Zusammenarbeit mit dem Collegium Bohemicum an tschechischen Schulen – in brillantem Tschechisch.


Ernst Raim se narodil do sociálnědemokratické rodiny ve Frýdlantu. Po uchopení moci nacisty v Německu se jako malý chlapec zapojil do pašování zakázaných spisů do třetí říše. Rodiče byli později zatčeni nacisty a strávili roky ve vězení. Za druhé světové války vykonával nucené práce ve vojenském skladu. Po konci války se dostal s transportem sudetoněmeckých antifašistů do Bavorska, kde vstoupil do tamní sociální demokracie a stal se učitelem.

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